kunstlerhaus bethanien
New Yorck im Bethanien ? Raum emanzipatorischer Projekte
Im Südflügel des Bethanien Hauptgebäudes, mitten im symbolträchtigen SO36, befindet sich
seit nunmehr zweieinhalb Jahren das politische Hausprojekt New Yorck. Dieser Teil des
Gebäudes wurde im Juni 2005 infolge der Räumung des Hausprojektes "Yorck59", das von
1988 - 2005 in gemieteten Räumen in der Kreuzberger Yorckstrasse beherbergt war, besetzt.
Es ist somit eines der ältesten Berliner Hausprojekte, das beharrlich mit kritischem
Engagement Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen und politische Entscheidungen
nimmt.
Die IZB ? BürgerInnenbegehren, BVV-Drucksache und Runder Tisch
Die Besetzung des leerstehenden Südflügels und die Kooperation mit der Initiative Zukunft
Bethanien (IZB) hat zunächst über ein Bürger_innenbegehren die Anwohner_innen in den
Entscheidungsprozess einbezogen und damit auch an die Kreuzberger Tradition der
Partizipation der Bewohner_innen angeknüpft. Nachdem in der 1. Stufe des
Bürger_innenbegehrens viele tausend Bewohner_innen erfolgreich gegen die Privatisierung
des Gebäudes votierten, einigten sich die IZB und die BVV Kreuzberg?Friedrichshain mit
ihrer Drucksache DS/2173-1/II über die wichtigsten Inhalte und umgingen so einen
Bürger_innenentscheid. Die Umsetzung des BVV-Beschlusses wird seitdem durch die Arbeit
des Runden Tisches Bethanien erarbeitet. An diesem Runden Tisch haben sich die
Vertreter_innen von New Yorck und IZB mit ihren Erfahrungen an Selbstverwaltung und
kultureller, sozialer und politischer Arbeit engagiert eingebracht. Unter anderem sind die
kalkulatorischen Kosten, eine der Privatisierung öffentlicher Gebäude förderliche
Gebäudebewertung, recherchiert und öffentlich gemacht worden. Zusammen mit den
Bezirkspolitiker_innen und einem Vertreter des Senates für Finanzen wurde eine gemeinsame
öffentliche Veranstaltung zu diesem Thema durchgeführt. Neben einer aktiven Mitarbeit am
Runden Tisch und dem Einbringen einer Vielzahl von Konzepten und Ideen beteiligten sich
New Yorck und IZB aktiv an der vom Bezirksbürgermeister angeregten Initiativplattform.
Kollektives Leben und Arbeiten als Zukunftsmodell
Die Mischung aus Leben und Arbeiten im Kontext künstlerischer, politischer, und sozialer
Projekte ist eigentlich nichts Neues. So bildeten sich in den 70er Jahren, der Hoch-Zeit
künstlerischer und sozialer Projekte in New York, verschiedene Kollektive, die gemeinsam
kreativ und politisch arbeiteten und lebten. Bekannte Beispiele sind das ?Living Theater?
oder Andy Warhols ?Factory?. Heute reicht die Bandbreite der Projekte von der ?Köpi? in
Berlin-Mitte und Christiania in Kopenhagen bis zum ?La General? in Paris und zur Ufa-
Fabrik in Berlin-Tempelhof. Selbst im Atelierprogramm der ?Künstlerhaus Bethanien GmbH?
ist Wohnen und Arbeiten mit dem Schwerpunkt ?Kunstproduktion? eng verbunden.
Im Hausprojekt New Yorck steht solidarisches Zusammenleben und politisches Engagement
im Mittelpunkt. Selbstfinanziert und unabhängig von Geldgebern wird es durch seine
NutzerInnen und die Menschen getragen, die dort leben. Durch ihre ehrenamtliche Arbeit u.a.
in den Büros und den Veranstaltungsräumen tragen sie dazu bei, dass Räume von
verschiedensten Gruppen unbürokratisch und für wenig Geld oder umsonst genutzt werden
können. Auch nach Vertragsabschluß werden die im Projekt Lebenden mit ihren
Mietzahlungen eine wichtige finanzielle Stütze des Gesamtprojekts bilden.
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